Jahrtausendelang vertrauten Ägypter, Äthiopier, Griechen, Perser, Juden, Inder, Chinesen, Japaner, die Römer und nicht zuletzt die Germanen ihr Schicksal dem Schwert an, sie fochten. In Zweikämpfen, in Gruppen, in ganzen Heeren. Jedes Volk, jede Epoche entwickelte ihre besondere Waffe und Art zu fechten. Die Römer benutzten das Kurzschwert, die Germanen Langschwerter, die Türken Krummsäbel, die Italiener Spoeda, eine Art kleiner Degen, die Franzosen das Florett.

Schon in der Sage hören wir von berühmten Waffenmeistern, Fechtern und ihren Schwertern, z.B. vom Schwert Balmung in der Siegfriedsage. Fechtscenen findet man auf unzähligen persischen und indischen Miniaturen ebenso wie in der fernöstlichen und europäischen Malerei.

Abertausende von Gedichten, Liedern und Romanen berichten vom Fechten und Gefechten. Längst vor der Erfindung der Buchdruckerkunst (um 1440 n. Chr.) gab es schon so viele spezielle Bücher – handgeschrieben und handgemalt – über die Fechtkunst, daß man damit eine ganze Bibliothek füllen könnte. Natürlich waren die Auffassungen von Volk zu Volk und Epoche zu Epoche verschieden.

Aber stets kam es nicht nur auf die Kraft, Ausdauer und Mut, sondern auch auf blitzschnelles Reaktionsvermögen, Kombinationsgabe und Können an. So finden wir schon früh, daß das Fechten außer als Kampf auf Leben und Tod auch als Sport trainiert und betrieben wird. Die Römer besaßen nach den Griechen große Fechtschulen, in denen die Ritter und Soldaten regelrecht unterrichtet wurden. In den Turnieren und Turnierübungen des ganzen Mittelalters spielte das Fechten eine entscheidende Rolle. Seine praktische militärische Bedeutung verlor der Schwertkampf mit dem Aufkommen der Feuerwaffen. Aber das Fechten starb keineswegs aus. Im Gegenteil, es gewann im 16., 17. und 18. Jahrhundert eine weit größere Verbreitung als vorher. Fechten wurde zu einer beliebten Unterhaltung der Zünfte. In allen größeren Städten entstanden Fechtgenossenschaften und Fechterschulen.

In Deutschland wurde das Fechten besonders an den Universitäten gepflegt. Wer etwas galt und gelten wollte, mußte fechten können.
Selbst die ängstlichen Dichter banden sich wenigstens einen Zierdegen um.

Bis ins 16. Jahrhundert war das Fechten ganz auf Angriff gerichtet. Die Abwehr erfolgte nicht durch Trutzwaffen (= Angriffswaffen), sondern durch Schutzwaffen wie Helm, Schild, Harnisch und andere Rüstungen.

Nun wurden leichtere Waffen eingeführt, man beschränkte die Hiebe auf ein Minimum, die Stöße durften auf den ganzen Körper gerichtet werden. Die italienische Stoßfechtkunst begann ihren Siegeszug und wurde in ganz Frankreich zur Vollkommenheit ausgebildet, daher sind auch heute noch die meisten Fachausdrücke des Fechtens französischen Ursprungs. Auch in Deutschland verdrängte das neue Stoßfechten bald die “alte Deutsche und mittelalterliche Schule”, bis um 1820 an den deutschen Universitäten wieder ein Hiebfechten mit dem “Korb- und Glockenschläger” aufkam, zur Verhütung der vielen schweren, oft tödlichen Unglücksfälle beim Stoßfechten gegen den ungeschützten Körper des studentischen Contrahenten.

Abgesehen von nur noch einigen studentischen Corporationen in Deutschland ist das Hiebfechten heute (ausgenommen beim Säbel) völlig verschwunden. Das Fechten hat sich von seinen militärischen Ursprüngen gänzlich entfernt.

Unter der Einhaltung der Wettkampfregeln der F.I.E. (= Internationaler Fechterverband) zählt das Fechten heute auch viele Damen zu seinen begeisterten Anhängerinnen und steht seit dem ersten Olympischen Spielen der Neuzeit auf dem olympischen Programm.

(nach einem Aufsatz von Dr. Hilgar Behringer, Koblenz, 1981)