
Palma de Mallorca. Klirrende Klingen, quietschende Schuhe und Jubelschreie. Am vergangenen Wochenende fand der erste Florett-Weltcup der noch jungen Fechtsaison statt.
Insgesamt drei Koblenzer Fechter der CTG Koblenz gingen dort an den Start. Bereits am Donnerstag starteten die Deutschen Frauen etwas holprig in die Vorrunden. Nach nur 10 Minuten Wettkampf kam es zu chaotischen Szenen als ein kurzer Sturm in die provisorisch auf dem Fußballplatz nebenan errichtete Halle, zwischenzeitlich unbenutzbar machte. Der Weltcup der Damen war ursprünglich in Belgrad und der Weltcup der Herren in Tunis geplant. Dann wurden beide jedoch auf die größte Insel der Balearen in das Velodrom verlegt, wo er aufgrund von Problemen mit der Beleuchtung nicht stattfinden konnte. Nach über einer Stunde wurde die Halle wieder freigegeben.
Von den jungen Deutschen Damen konnte nur Carlotta Morandi sich mit einer fehlerfreien Runde und nur elf Gegentreffern direkt für den Haupttag qualifizieren. Die derzeit beste deutsche Fechterin Anne Kleibrink, welche von Ihrem Mann und Olympiasieger 2008 Benjamin Kleibrink, trainiert wird, ist aufgrund ihrer Weltranglistenplatzierung direkt für das Haupttableau qualifiziert. Von den anderen Deutschen Starterinnen konnte sich keine über die Direktausscheidung für den Haupttag qualifizieren.
Comeback für Rosario Vella

Am Freitag gingen nun die Deutschen Herren auf die Planche. Für den Koblenzer Rosario Vella war es der erste Weltcup seit zweieinhalb Jahren. Aufgrund einer Oberschenkelverletzung im Jahr 2023 hatte er seinen Kaderplatz verloren und musste sich seinen Weg zurückkämpfen. In der Verletzungspause hat er sein Athletiktraining weiter professionalisiert und auch mehr Videoanalysen gemacht, wodurch er mehr an seiner Gefechtsstrategie gefeilt hat. Zudem bekommt er nun regelmäßig in Koblenz Lektionen (1 zu 1 Trainings) von Peter Joppich, fünffacher Weltmeister und Olympiamedaillengewinner, der seit kurzem in Koblenz als Trainer tätig ist. Nach seinem überragenden fünften Platz beim Satellite-Turnier in Amsterdam im September gab ihm der Bundestrainer Kleibrink wieder einen Weltcupstartplatz. Insgesamt gingen in Palma zwölf deutsche Fechter an den Start. Neben Rosario stellte die Coblenzer Turngesellschaft noch Laurenz Rieger und den Ukrainer Ievgen Lazarenko. Ievgen erwischte einen gebrauchten Tag und fand zu keinem Zeitpunkt richtig ins Turnier und kam nicht über die Vorrunde hinaus. Beide Koblenzer landeten nach der Vorrunde nur im Mittelfeld, nachdem sie fünf Gefechte knapp mit vier zu fünf verloren hatten.
In der Direktausscheidung kam Vella gegen den Schweden Henri Ask. Nach einer frühen Führung wurde Rosario zu offensiv und kassierte einige Treffer vom defensiv starken Schweden. Nach einem Führungswechsel konnte der Deutsche leider nicht dranbleiben und musste in der Aufholjagd viele Treffer einstecken. Am Ende siegte der Schwede mit 15 zu 6 doch deutlich. Bei Laurenz Rieger sah es gegen den Franzosen Maxime Sido ähnlich aus. Somit schaffte es kein Koblenzer in den Haupttag. Neben Henrik Barby, welcher nach einer fehlerfreien Runde sich direkt für die besten 64 qualifiziert hat, kamen auch Paul-Luca Faul und Bastian Kappus einen Tag weiter.
Kleibrink sorgt für deutsches Highlight

Im Finaltag ging es nur für Anne Kleibrink über das erste Gefecht der Direktausscheidung hinaus. Dort siegte sie zunächst gegen die Japanerin Sera Azuma mit 12:7, ehe sie als Nächstes ihre Teamkollegin Arisa Kano deutlich mit 15:6 bezwang.
Die Italienerin Carlotta Ferrari machte der deutschen Sportsoldatin das Leben bis zum Ende schwer, aber konnte sie nicht bezwingen. Die erst 22 Jahre alte Italienerin unterlag knapp mit 13:15. Der dritten Japanerin Komaki Kikuchi konnte Anne Kleibrink offensiv nur wenige Treffer abringen. Nachdem sie dann in Rückstand geraten war, konnte sie auch ihre Gefechtsstrategie nicht mehr umsetzen.
Kleibrink konnte das Gefecht nicht mehr drehen und landete auf dem sechsten Platz, war damit beste Deutsche und sicherte sie sich wichtige Weltranglistenpunkte.
„Fechten ist wie Schach und boxen, aber gleichzeitig“
„Es hat leider nicht alles so geklappt, wie ich mir es vorgestellt habe,“ sagte Rosario Vella im Gespräch nach dem Turnier, „Die Vorrunde war etwas unglücklich. Da hatte ich einige Gefechte, die ich knapp zu vier verloren habe, was dann doch einen großen Unterschied macht, ob man dann vier oder fünf Siege hat oder eben wie in diesem Fall nur zwei. Dennoch bin ich da von meiner Fechtleistung in der Vorrunde relativ zufrieden gewesen. Allerdings gab es im KO (Direktausscheidung) da noch mal Probleme und da ist mir noch mal klar geworden, woran man noch arbeiten kann, vor allem im Hinblick jetzt auf Japan und auf die weitere Weltcup-Saison, wie zum Beispiel an der Taktikanpassung gegen verschiedene Gegner wie eben gegen den Schweden.“
Welche Erkenntnisse nimmst du mit für die kommenden Wettkämpfe?
„Es ist ein Weltcup und dort sind Kleinigkeiten sehr wichtig und da müssen wir mit dem Trainer darauf hinarbeiten, dass eben diese Kleinigkeiten passen. Weil eben der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Tag dann doch eben diese Kleinigkeiten ausmacht. Wenn man dann ein, zwei Treffer verschenkt, sei es wegen der Taktik oder wegen eines Technikfehlers oder dass man da im Kopf noch nicht ganz bereit an der Startline ist, das macht dann schon einen sehr großen Unterschied. Das sind dann die Sachen, die ich jetzt in den nächsten Wochen versuchen werde zu verbessern für Japan.“
Wie sehr unterstützt dich der Verein, der Verband und deine Sponsoren dabei?
„Da ich derzeit noch mitten des Comebacks bin, bin ich noch kein Kader, bekomme ich durch den Verband nur begrenzt Unterstützung. Umso mehr ist es wichtig, dass der Verein hinter mir steht und an mich glaubt, das weiß ich sehr zu schätzen. Ich bin ich froh, es erstmal hier zu den Weltcups geschafft zu haben und hoffe, dass ich da weiterhin gute Fortschritte machen kann, um Koblenzer stolz zu machen.“
Warum findest du, ist Fechten ein attraktiver Sport?
„Fechten ist für mich attraktiv, weil man dabei Eigenschaften entwickelt, die einen ein Leben lang begleiten wie Geduld, Konzentrationsfähigkeit und den nötigen Biss, um auch schwierige Situationen zu meistern. Der Sport vereint Elemente aus dem Kampfsport mit strategischem Denken, was ihn für mich besonders spannend und einzigartig macht.“
Wenn du in die Zukunft blickst, was sind die nächsten großen Ziele?
„Ich möchte auf jeden Fall dieses Jahr mit meinem Studium fertig werden, sodass ich mich die kommenden Jahre dann noch mehr aufs Fechten konzentrieren kann und dann stressfreier durchs Training kann, ohne an die nächste Klausurenphase denken zu müssen. Und leistungstechnisch möchte ich da natürlich weiter nach vorne. Ich möchte anpeilen, dass ich da erstmal einen 2. Tag erreiche und dann dort hoffentlich weiterhin verbleibe und mich stetig steigern kann. Und dann schauen wir mal, wo die Reise hingeht.“
Der Trainer Jörg Schwanninger bewertete die Leistung seiner Fechter als ausbaufähig: „Das Ausscheiden von Ievgen in der Vorrunde hat mich sehr überrascht. Positiv fand ich die Leistungen von Laurenz und Rosario. Sie sind gut ins Turnier reingekommen, waren sehr kämpferisch und man konnte gut sehen, was man noch verbessern kann“. Der frühere Europameister erklärte, man müsse auf jeden Fall noch an der Taktik arbeiten, vor allem im mentalen Bereich. Ziel sei es, in Zukunft zu vermeiden, dass die Fechter sich auf die Strategie des Gegners einlassen. Kondition, Technik und Bewegungsabläufe seien alle sehr gut gewesen, dennoch wolle man einige Szenarien durchspielen, um für die kommenden Turniere besser aufgestellt zu sein.
Deutsche Herren überraschen im Teamwettbewerb
Bei dem Mannschaftskampf am nächsten Tag, starteten die beide Deutschen Teams mit einem Sieg gegen Chile. Für ein Überraschung sorgte das Herrenflorettteam bestehend aus Alexander Kahl, Henrik Barby, Bastian Kappus und Paul-Luca Faul. Zum ersten Mal seit fünf Begegnungen auf der Bahn gewann das Deutsche Quartett denkbar knapp mit 45:44. Trotz eines zwischenzeitlichen Vorsprungs von 8 Treffern, lag der Deutsche Schlussfechter Kahl kurz vor Ende mit 41:43 zurück. Mit schnellen Angriffen und einer sauberen Parade zum Abschluss sicherte der der Deutschen Mannschaft den ersten Sieg seit über 3 Jahren gegen die französische Equipe. Danach konnten die Jungs sich auch gegen Belgien behaupten. Im Halbfinale hatten die Deutschen gegen die Italiener keine Chance. Sie beendeten das Turnier auf einem starken vierten Platz.
Bei den Damen lief es nicht so rund, sie verloren gegen das japanische Team und erkämpften sich in den Platzierungsgefechten den zwölften Rang.
Text und Bilder: Jan von Uxkull-Gyllenband
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